Unser aller Alltag ist momentan von einem Thema bestimmt: Die Ausbreitung des neuartigen Coronavirus SARS-Cov-2 und der Erkrankung welche es hervorruft, genannt COVID-19.Die allererste Frage, die sich stillenden Müttern stellt, ist natürlich: Kann ich weiterstillen, selbst wenn ich Verdachtsfall bin oder sogar nachgewiesen positiv getestet bin?

 

Vorneweg: Ja! Weiterstillen ist das Beste für dein Baby!

 

Denn was passiert, wenn du Kontakt mit dem Virus hast oder nachgewiesen infiziert bist? Lange bevor es dir als stillende Mutter klar wird, dass du infiziert bist oder gefährdet bist infiziert zu sein, hat dein Baby über dich bereits lange Kontakt mit dem SARS-Cov-2 Virus gehabt. Denn der Übertragungsweg des Virus ist die sogenannte Tröpfcheninfektion, also wenn Tröpfchen, welche den Virus enthalten beim Niesen, Husten oder Sprechen durch kleinste Speicheltröpfchen in die Luft gelangen und so von anderen Menschen, natürlich auch von Babys, aufgenommen werden.

 

Aktuell kein Nachweis, dass das Virus
über die Muttermilch übertragen wird

 

In der Muttermilch selbst von infizierten Frauen konnten bisher keine Erreger des SARS-Cov-2 Virus nachgewiesen werden: Hierzu muss man der Fairness halber anmerken, dass die Untersuchungen sich noch auf eine recht kleine Fallzahl beziehen. Das heißt, dies ist der aktuelle Wissensstand, bis weitere Erfahrungen vorliegen.

Darum wird aktuell aber dennoch davon ausgegangen, dass die vielen positiven Aspekte des Stillens die mögliche Gefährdung einer Infektion des Babys bzw. Übertragung auf das Baby von SARS-Cov-2 überwiegen.

Überwiegend bleiben gestillte Babys sogar gesund, selbst wenn die Mutter oder auch andere Familienmitglieder an einer solchen Virusinfektion erkranken.

 

Muttermilch ist im wahrsten Sinne des Wortes:
Die Antwort, die IMMUNantwort

 

Die Muttermilch enthält die Immunantwort der stillenden Mutter auf die Keime mit der sie Kontakt hatte. Das ist auch bei SARS-Cov-2 nicht anders.

Wenn eine positiv getestete Frau mit dem Stillen beginnt, oder sich eine stillende Mutter infiziert und sie weiter stillt, so produziert sie gleichzeitig eine Immunantwort auf ihre Infektion, welche durch Muttermilch an ihr Baby weitergegeben wird. Dies funktioniert nicht nur durch Immunglobuline A, sondern auch durch andere Bestandteile, wie Lipide, Makromoleküle- und globuline.

Das heißt, dass die Mutter ihr Baby durch diese immunologischen Faktoren unterstützt, auf das Virus zu reagieren.Zum einen ist die Beobachtung bisher, dass Babys und Kinder ohnehin einen milderen Verlauf zu zeigen scheinen. Und zusätzlich dazu hilft Muttermilch der Abwehr der Neugeborenen und Babys in nicht unerheblicher Weise. Also, wenn möglich weiterstillen!

Übrigens: Dies gilt natürlich auch für Mütter, welche nur teilweise stillen. Auch deren Babys erhalten natürlich die beschriebenen Immunabwehrstoffe. Also „Jeder Tropfen zählt!“

Und wusstet ihr auch, dass Mutter und Kind, besser gesagt das mütterliche Immunsystem und das Kind in stetigem Dialog stehen? Darum ist es auch gut, wenn Mutter und Kind direkten Kontakt haben, also das Baby auch direkt an der Brust liegt und über Brustwarze und Speichel, aber auch allgemein Kontakt haben.

 

Dennoch sehr wichtig: Gesteigerte Hygienemaßnahmen
für Mütter, die infiziert sind oder Verdachtsfall sind!

 

Wie oben bereits geschrieben wird das Virus durch Tröpfchen übertragen. Allgemein sollten stillende Mütter die Verdachtsfälle sind oder positiv getestet sind, deshalb deutlich stärkere Hygienemaßnahmen beim Stillen einhalten. Gerade wenn eine infizierte (oder im Verdacht infiziert zu sein stehende) Mutter geboren hat und ihr noch nicht in Kontakt mit dem Virus gekommenes Neugeborenes stillt.

Also: Händewaschen/ Händehygiene und tragen eines Mundschutzes während des Stillens

 

Das heißt auch infizierte Mütter oder Mütter
die Verdachtsfälle sind und gerade geboren haben
dürfen ihr Baby stillen? Ja!

 

Nachdem ganz zu Anfang der Corona-Pandemie einige Fachleute in dieser konkreten Konstellation zurückhaltend waren, sind sich inzwischen eigentlich alle einig, dass Mutter und Kind nach der Geburt auch in dieser besonderen Situation nicht aufgrund des neuartigen Coronavirus getrennt werden sollten, z.B. die Deutsche Gesellschaft für Geburtshilfe und Gynäkologie, die nationale Stillkommission, das Robert-Koch-Institut, etc. (siehe die Linksammlung am Ende des Artikels)

Es ist aber auf jeden Fall eine individuelle Entscheidung, welche du mit deinen Geburtshelfern und Kinderärzten besprechen kannst. Aus meiner Praxis kann ich sagen, dass auch wenn alle dazu raten, es sicherlich auch hier Mütter gibt, die wenn sie selbst positiv getestet sind eine „innere Sperre“ dagegen haben, ihr Baby in dieser speziellen Situation zu stillen bzw direkt anzulegen. Hier ist es wichtig im Einzelfall mit Stillberaterin und Ärzten die Vorgehensweise zu finden, die sich für die Mutter am besten anfühlt (vielleicht doch „Pumpstillen“ statt direktem Anlegen).

Denn Stress und Anspannung beim Stillen sind immer kontraproduktiv (dazu unten mehr) und die Mutter MUSS sich mit der Situation wohlfühlen.

 

Was wäre die Alternative? Kein Stillen? Keine Muttermilch?

 

Würde man tatsächlich nur wegen des Virus eine (ev. unnötige) Stillpause einlegen, so hätte dies unter Umständen gravierende negative Folgen für Baby und Mutter ganz abseits von SARS-cov-2:

  • Emotionale Belastung für Mutter und Kind (Bonding nach der Geburt verhindert, Stillkinder durch plötzliche Stillpause traumatisiert)
  • Auswirkung auf die Milchmenge durch Stress, Umstellung auf Pumpen oder auch Trennung vom Kind
  • Die Kommunikation von kindlichem und mütterlichem Immunsystem findet nicht mehr statt
  • Saugverwirrung (das Baby kommt sozusagen durcheinander zwischen Brust und Sauger) und Erschwerung der Rückkehr zum Stillen
  • Die Immunantwort der Mutter fehlt dem Baby bei der Reaktion auf denn Virus

 

Die Sache mit dem Stress

Ein nicht zu verachtender Faktor der ganzen Pandemiesituation für die stillenden Mütter ist auch der Stress den Sorgen, Ängste und ständig einprasselnde Nachrichten auslösen. Dummerweise sind alle Reaktionen, die unser Körper auf hormoneller Ebene auf Stress folgen lässt, kontraproduktiv für das Stillen. Dies betrifft sowohl die Milchmenge als auch das fließen lassen der vorhandenen Milch.
In meiner aktuellen Beratungspraxis erlebe ich auch, wie einzelne Stillprobleme vor dem Hintergrund der aktuellen Situation als heftiger wahrgenommen werden.

Eine einfache Lösung hierfür gibt es leider nicht. Manchmal sind es aber die kleinen Dinge, die uns in solchen Zeiten und Situationen helfen, entspannt zu bleiben. Und auch die uns helfen von der ganzen Nachrichten und Hiobs-Botschaften Flut Abstand zu nehmen.

Gebt acht auf euch und „entspannt stillen“!

 

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