Von Christina Law-McLean IBCLC

Nicht nur in der ersten Zeit nach der Geburt kann es hilfreich sein, wenn Du in der Lage bist, Milch von Hand auszustreichen. Auch später in der Stillzeit ist es beruhigend zu wissen, wie man ohne Kind und Pumpe Muttermilch gewinnen kann, bzw. die Brust bei Bedarf entlasten kann.

Gewinnen von Kolostrum als Unterstützung für den Stillstart

Manchmal kann der Stillstart holprig sein: Wenn Dein Baby in den ersten Stunden und Tagen nach der Geburt nicht so früh und häufig trinken möchte, wie Du es Dir wünschen würdest, kannst Du immer wieder ein paar Tropfen Deiner wertvollen Neugeborenenmilch ausstreichen. Entweder lässt Du sie von Deinem Baby direkt von der Brust „schlecken“ (am besten gleichzeitig mit ausgiebigem Hautkontakt, das hilft dem Baby dabei „sich Hunger zu holen“). Oder Du lässt das Kolostrum in einen sauberen Löffel oder einen Fütterbecher tropfen und fütterst sie Deinem Baby auf diese Weise. Von dieser Praxis profitiert Dein Baby sowohl direkt als auch indirekt indem dieses Ausstreichen zusätzlich Deine Milchbildung anregt, auch wenn das Baby noch nicht soweit ist, die Brust selbst zu stimulieren.

Erleichterung beim Anlegen mit Milcheinschuß oder wunden Brustwarzen

Eine weitere Anwendungsmöglichkeit des Gewinnens von Muttermilch mit der Hand sind Anlegeschwierigkeiten beim Milcheinschuss. Während dieser Zeit sind die Brüste angeschwollen und prall, die Brustwarze häufig flachgezogen. Das erschwert Deinem Baby das korrekte Erfassen Deiner Brust. Durch Ausstreichen von Muttermilch vor dem Anlegen wird das Gewebe rund um die Brustwarze einerseits weicher und leichter zu erfassen. Andererseits hilft dies, den Milchspendereflex auszulösen und somit die Milch bereits zum fließen zu bringen.

Ähnliche Vorzüge macht man sich beim Ausstreichen vor dem Anlegen bei wunden Brustwarzen zunutze: Wenn die Milch bereits läuft, kann das Anlegen –vor allem bei den anfänglichen Zügen des Babys- weniger schmerzhaft sein als wenn Dein Kind den Milchspendereflex selbst auslösen muss.
Mitunter möchtest Du bei sehr wunden Brustwarzen auch eine kurze Stillpause machen. Nicht immer ist dann eine Pumpe weniger schmerzhaft. Auch hier ist es eine gute alternative, die Muttermilch von Hand auszustreichen.

Lerne die Technik im Video:

Eine Methode ohne Milchpumpe Muttermilch zu gewinnen

Manchmal gibt es auch Situationen in denen Du gerne eine Muttermilchreserve beispielsweise für für Dein Baby hinterlassen möchtest, wenn Du zu einer Veranstaltung gehst und Dein Partner oder die Oma auf es aufpasst. Nicht immer hast Du auch eine Milchpumpe zur Hand. Wie praktisch, wenn Du dann in der Lage bist, die benötigte Milch einfach auszustreichen.

Ähnliches gilt auch, wenn Du zwar normalerweise eine Pumpe zur Verfügung hast, diese aber gerade nicht funktioniert oder Du sie nicht dabei hast.

Streichen allein reicht nicht

Der Begriff „Ausstreichen“ ist allerdings etwas irreführend. Mit einem „Streichen“ über die Haut der Brust allein kann keine Milch gewonnen werden, es muss schon auch etwas „gedrückt“ werden. Aber es soll nicht unangenehm sein oder gar weh tun. Vor dem Ausstreichen hilft unter anderem eine kurze Massage der Brust. Die Berührungsreize und sanfte Lockerung des Gewebes unterstützen den Milchfluss. Auch mit feucht-warmen Auflagen oder alternativ unter einer warmen Dusche lässt sich der Milchfluss zusätzlich unterstützen.

Die Milch auffangen 

Je nach Menge der Milch, können die Kolostrumtropfen mit einer Spritze abgesammelt werden, in einem sauberen Löffel oder in einem sauberen/ sterilisierten Behälter aufgefangen werden. Wenn es möglich ist, und Dein Baby bei Dir ist, kann es auch die ausgestrichenen Tropfen direkt von der Brust lecken. Bei anfänglich müden trinkfaulen Babys kann dies helfen, dass sie mehr Appetit bekommen.

Wenn die Milchbildung bereits eingespielt ist, wirst Du eher ein Fläschchen für die gewonnene Milch verwenden. Hier kann es recht „tricky“ sein, die manchmal sogar spritzende Muttermilch in den relativ engen Flaschenhals zu bekommen. Hierfür kannst Du entweder die Brusthaube eines Pumpsets oder auch einen gut zu reinigenden Haushaltstrichter verwenden.

Egal in welcher Situation Du das Ausstreichen von Muttermilch anwendest, jeder Tropfen ist wertvoll, jeder Tropfen zählt!

In diesem Sinne: Entspannt stillen

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